Freitag, 2. Januar 2004

Franco Mastrovita führt in einer Sonderausstellung im Sommer alte Hacken vor

Italiener entdeckt Geiserschmiede

Von Edith Horcher
 

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Rudi Sperling und Josef Bauer sind die Akteure an Esse und Amboss



Die Geiserschmiede: eine Attraktion auch für Kinder

 
  Bühlertal - Dumpfe Hammerschläge dröhnen durch das alte Gemäuer, die Esse ist schon auf die richtige Temperatur angeheizt. Staub und Rauch dringen in die Nasenflügel: Die Geiserschmiede wird zu einem quicklebendigen Museum, wenn ehrenamtliche Mitarbeiter bei einer Schmiedevorführung das alte Handwerk demonstrieren.
Über 1 200 Museumsbesucher werden jährlich gezählt, hinzu kommen rund 50 Führungen, Schulklassen und Vereine melden sich an und auch Betriebsausflüge und Jahrgangstreffen gib es häufig.
Das Beeindruckende an den Führungen ist nicht nur die reine Vermittlung von Wissen, sondern vor allem das große Engagement, das die Mitarbeiter einbringen. „Treten Sie hinzu, wir freuen uns über jeden, der sich für unsere schöne Schmiede interessiert“, weckt Roland Schindler mit persönlichen und herzlichen Begrüßungsworten die Neugier und knüpft sogleich lebhafte Gespräche an . Der ehemalige Straßenbauarbeiter erzählt gerne. Er schenkt den Fragen der Kinder ebenso Aufmerksamkeit wie er mit älteren Museumsbesuchern über früherer Zeiten plaudert und amüsante Anekdoten über seine Jugend- und Lehrzeit preisgibt.
Josef Bauer und Rudi Sperling sind die Akteure an Esse und Amboss. Der gelernte Betriebsschlosser und der gelernte Werkzeugmacher hatten im Rahmen ihrer Ausbildung auch geschmiedet und sich während der vergangenen zehn Jahre in der Geiserschmiede viel weiteres Wissen angeeignet.
Gerne bearbeiten sie das alte, stumpf gewordene Stemmeisen, das ein Achtjähriger von Zuhause mitgebracht hat. Vor allem die Kinder drängen sich so dicht wie möglich heran und beobachten gebannt, wie das Werkzeug im Kohlenfeuer der Esse auf die richtige Temperatur erhitzt und anschließend mit Hammerschlägen wieder funktionstüchtig gemacht wird. Wie man in Minutenschnelle eine stumpfe Axt messerscharf macht, demonstriert Rudi Sperling, wenn er sich an den großen Schleifstein schwingt. Die staunenden Hobby-Holzmacher sind sehr beeindruckt und prüfen mit dem Finger vorsichtig die Schärfe des Beiles. „Wir brauchen immer etwas zum Bearbeiten“, ermuntern die Museumsschmiede ihre Besucher dazu, Werkzeuge zum Richten vorbei zu bringen. Schließlich wird auch noch die Funktion des großen Schmiedehammers vorgeführt. Die Zuschauer beobachten fasziniert, wie auch diese alte Mechanik mit den vielen Antriebsrädern und Riemen immer noch reibungslos funktioniert.
Um auch dies zu gewährleisten, trifft sich der harte Kern des rund zehnköpfigen Trupps der ehrenamtlichen Mitarbeiter, von denen jeder seine handwerklichen Begabungen einbringt, jeden Dienstag in der Schmiede. Museumsleiter Patrick Götz rekrutiert aus diesem Kreis auch die Personen für die Führungen, die er in Abendseminaren ganz gezielt auf ihre Aufgabe vorbereitet.
Einen weiteren professionellen Schritt macht Götz mit der Gestaltung und Betreuung einer neuen Homepage für die Geiserschmiede. Die Seiten sind erst seit kurzem online, und einige Themenbereiche sind noch im Aufbau.
Über das weltweite Netz ist auch der Kontakt mit Franco Mastrovita entstanden, der Ende Juni in der Geiserschmiede eine Sonderausstellung – es ist die erste eigene Sonderausstellung im Heimatmuseum – zum Thema Hacke präsentieren wird. Der Italiener ist ein Fan alter Schmiedekunst und leidenschaftlicher Sammler von Hacken.
Er wurde über das Internet auf die Geiserschmiede aufmerksam. Im vergangenen Jahr stellte der Metallkünstler, der in Vincenza ein Atelier besitzt, seine Hacken im Stadtmuseum Pforzheim aus. Mastrovita war von der ursprünglichen Erhaltung der Geiserschmiede restlos begeistert, Götz schaute sich dessen Pforzheimer Ausstellung an, und seither arbeiten beide an der geplanten Sonderausstellung.
Die Entstehung und Entwicklung der Hacke seit en Anfängen des Ackerbaues soll zum einen historisch nachgezeichnet und zum andern mit Metallobjekten auch künstlerisch umgesetzt werden.
Im Mittelpunkt steht dabei der Vergleich zwischen italienischen Hacken und unseren hiesigen Werkzeugen. Anschaulich wird das Thema auch durch einen Film, den der italienische Künstler über das ursprüngliche Schmieden von Hacken gedreht hat. Götz und Mastrovita feilen derzeit noch am endgültigen Ausstellungskonzept und teilen fleißig Bilder und Ideen via E-Mail aus.
 
 
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