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Wer auf den Spuren der Geschichte wandelt und in die Vergangenheit reist,
braucht Zeit. Diese Erfahrung machte auch die Bühlertälerin Renate
Baumann. Doch auch wenn sie in den letzten vier Jahren unzählige Stunden,
ganze Tage in ihr Buchprojekt investierte, missen möchte sie keine einzige
Minute, in der sie Neues über das frühere Leben in Bühlertal erfuhr. Als
sie den Entschluss fasste, durch Aufschreiben von Erlebnissen die
Erinnerungen an die Vergangenheit zu wahren, ahnte sie nicht, dass sie
damit für sich selbst eine ganze Lawine auslösen würde. Fast jeder
Geschichte, die ihr erzählt wurde, ging sie intensiv auf den Grund.
Konnten die Fakten stimmen, wer war noch beteiligt und wie kam es dazu? Zu
den vielen Fragen, die sich oftmals ergaben, kam die teilweise
komplizierte Suche nach dazu passenden Bildern. 230 Seiten Text, 184
Bilder, 63 Interviews auf diese nüchterne Zahlenbilanz könnte man das
Ergebnis, ihr Buch "Erinnerte Geschichte - Aufarbeitung eines Stückes
Dorfgeschichte" bringen. Doch wer auch nur einige Seiten durchblättert,
spürt sehr bald, wie fundiert die Texte sind. Welche Mühen hinter dem Werk
stecken, wird auch im Gespräch mit der Autorin deutlich, die mit ganzem
Herzblut an dem Buch gearbeitet hatte. Am kommenden Sonntag, 8. Mai, haben
die Besucher des Heimatmuseums Geiserschmiede die Möglichkeit das neuste
Werk der Bühlertälerin kennen zu lernen. Und es wäre nicht die
Buchvorstellung von Renate Baumann, wenn die Besucher nicht auch noch eine
Überraschung erwarten würde. Renate Baumann nutzt in Zusammenarbeit mit
der Gemeinde Bühlertal den bundesweiten Museumstag, um mit dem Buch
zusammen auch Utensilien aus jener Zeit zu zeigen. Ob Todesmeldungen,
Briefe, Medaillen oder ein paar Stiefel, mit denen ein Bühlertäler von
Hamburg bis in seine Heimat zurückmarschierte – es sind alles Originale
von Bühlertäler Bürgern, die auch in dem Buch genannt sind.
Mit einer Beschreibung der Situation Bühlertals in den 30er Jahren beginnt
das anschaulich verfasste historische Buch, das ausschließlich
authentische Geschichten beinhaltet. Zur Nacherzählung kommen Berichte aus
der Vorkriegszeit, der eigentlichen Kriegszeit sowie der direkten
Nachkriegszeit, die sich in Bühlertal ereignet haben. Akribisch ging
Renate Baumann jedem Hinweis nach, den sie erhielt, bis sich das Bild zu
einem Ganzen zusammenfügte. So finden sich nun in dem Buch Beschreibungen
von heute unvorstellbaren Szenen, Einzelschicksalen und Dramen, die sich
unter der Besatzungsmacht abspielten. Intensivste Recherche betrieb sich
auch, um am Ende des Buches die Kriegssterbfälle darzustellen. Dabei
beschränkte sich Renate Baumann nicht allein auf den Hinweis des
Todesdatums, sondern versuchte herauszufinden wie und/oder wo derjenige
sein Leben lassen musste. Zu diesem Zweck durchforstete sie alte
Feldpostbriefe im Gemeindekeller, las Totenmeldungen und Sterbenakten und
verglich ihre Ergebnisse mit den Unterlagen auf den Pfarrämtern oder
direkt vor Ort am Friedhof sowie am Kriegerdenkmal. Über 500 Bühlertäler
mussten in dieser schlimmen Zeit ihr Leben lassen. Auf welche tragische
Weise viele umkamen, auch diesen Bereich sparte Renate Baumann in ihrem
Buch nicht aus.
Durch den Tod ihres eigenen Vaters wurde Renate Baumann deutlich, dass
viele Erinnerungen an den Krieg von den älteren Generationen mit ins Grab
genommen werden. Um sie dennoch aufrecht zu erhalten, entschloss sie sich
ein Teil der Dorfgeschichte auf diese Weise aufzuarbeiten. Als ganz
wichtig bezeichnete Bürgermeister Jürgen Bäuerle die Bewahrung der
Vergangenheit. "Gerade auch für die jüngere Generation ist es wichtig, die
Vergangenheit zu kennen", beurteilte er das Buch als einen "wichtigen
Beitrag, um Friedensbemühungen zu unterstützen". Die Gemeinde werde
deshalb auch zahlreiche Bücher abnehmen, die Bäuerle Jubilaren wie auch
Schülern schenken möchte. Mit einem Präsent bedankte sich Bäuerle dieser
Tage bei Renate Baumann für ihr Engagement, verbunden mit der Hoffnung,
dass sie sich auch weiterhin der Geschichte Bühlertals annehme. Darüber
braucht er sich nicht zu sorgen. Das Geschichtsfieber hat die
heimatverbundene Lehrerin längst gepackt. Ein ähnlichen Schmöker wird sie
zwar sicher nicht gleich wieder in Angriff nehmen, aber ihre Leidenschaft
bleibt es dennoch. Seit Jahren sammelt sie alte Karten, Bilder und vieles
mehr ihrer Heimat. Und nach dem verfassen des Buches "habe ich noch viel
mehr über mein Dorf gelernt".
Das Buch "Erinnerte Geschichte" ist bei den Bühler Buchhandlungen, in der
Bühlertäler Tourist-Information sowie in der Sparkasse Bühlertal
erhältlich. |
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