Freitag, 29. April 2005

Erinnerte Geschichte - Aufarbeitung eines Stückes Dorfgeschichte

Renate Baumann auf den Spuren von Bühlertäler Kriegserinnerungen


 

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Bürgermeister Jürgen
Bäuerle und Renate Baumann präsentieren die "Erinnerte Geschichte"
  Wer auf den Spuren der Geschichte wandelt und in die Vergangenheit reist, braucht Zeit. Diese Erfahrung machte auch die Bühlertälerin Renate Baumann. Doch auch wenn sie in den letzten vier Jahren unzählige Stunden, ganze Tage in ihr Buchprojekt investierte, missen möchte sie keine einzige Minute, in der sie Neues über das frühere Leben in Bühlertal erfuhr. Als sie den Entschluss fasste, durch Aufschreiben von Erlebnissen die Erinnerungen an die Vergangenheit zu wahren, ahnte sie nicht, dass sie damit für sich selbst eine ganze Lawine auslösen würde. Fast jeder Geschichte, die ihr erzählt wurde, ging sie intensiv auf den Grund. Konnten die Fakten stimmen, wer war noch beteiligt und wie kam es dazu? Zu den vielen Fragen, die sich oftmals ergaben, kam die teilweise komplizierte Suche nach dazu passenden Bildern. 230 Seiten Text, 184 Bilder, 63 Interviews auf diese nüchterne Zahlenbilanz könnte man das Ergebnis, ihr Buch "Erinnerte Geschichte - Aufarbeitung eines Stückes Dorfgeschichte" bringen. Doch wer auch nur einige Seiten durchblättert, spürt sehr bald, wie fundiert die Texte sind. Welche Mühen hinter dem Werk stecken, wird auch im Gespräch mit der Autorin deutlich, die mit ganzem Herzblut an dem Buch gearbeitet hatte. Am kommenden Sonntag, 8. Mai, haben die Besucher des Heimatmuseums Geiserschmiede die Möglichkeit das neuste Werk der Bühlertälerin kennen zu lernen. Und es wäre nicht die Buchvorstellung von Renate Baumann, wenn die Besucher nicht auch noch eine Überraschung erwarten würde. Renate Baumann nutzt in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bühlertal den bundesweiten Museumstag, um mit dem Buch zusammen auch Utensilien aus jener Zeit zu zeigen. Ob Todesmeldungen, Briefe, Medaillen oder ein paar Stiefel, mit denen ein Bühlertäler von Hamburg bis in seine Heimat zurückmarschierte – es sind alles Originale von Bühlertäler Bürgern, die auch in dem Buch genannt sind.

Mit einer Beschreibung der Situation Bühlertals in den 30er Jahren beginnt das anschaulich verfasste historische Buch, das ausschließlich authentische Geschichten beinhaltet. Zur Nacherzählung kommen Berichte aus der Vorkriegszeit, der eigentlichen Kriegszeit sowie der direkten Nachkriegszeit, die sich in Bühlertal ereignet haben. Akribisch ging Renate Baumann jedem Hinweis nach, den sie erhielt, bis sich das Bild zu einem Ganzen zusammenfügte. So finden sich nun in dem Buch Beschreibungen von heute unvorstellbaren Szenen, Einzelschicksalen und Dramen, die sich unter der Besatzungsmacht abspielten. Intensivste Recherche betrieb sich auch, um am Ende des Buches die Kriegssterbfälle darzustellen. Dabei beschränkte sich Renate Baumann nicht allein auf den Hinweis des Todesdatums, sondern versuchte herauszufinden wie und/oder wo derjenige sein Leben lassen musste. Zu diesem Zweck durchforstete sie alte Feldpostbriefe im Gemeindekeller, las Totenmeldungen und Sterbenakten und verglich ihre Ergebnisse mit den Unterlagen auf den Pfarrämtern oder direkt vor Ort am Friedhof sowie am Kriegerdenkmal. Über 500 Bühlertäler mussten in dieser schlimmen Zeit ihr Leben lassen. Auf welche tragische Weise viele umkamen, auch diesen Bereich sparte Renate Baumann in ihrem Buch nicht aus.

Durch den Tod ihres eigenen Vaters wurde Renate Baumann deutlich, dass viele Erinnerungen an den Krieg von den älteren Generationen mit ins Grab genommen werden. Um sie dennoch aufrecht zu erhalten, entschloss sie sich ein Teil der Dorfgeschichte auf diese Weise aufzuarbeiten. Als ganz wichtig bezeichnete Bürgermeister Jürgen Bäuerle die Bewahrung der Vergangenheit. "Gerade auch für die jüngere Generation ist es wichtig, die Vergangenheit zu kennen", beurteilte er das Buch als einen "wichtigen Beitrag, um Friedensbemühungen zu unterstützen". Die Gemeinde werde deshalb auch zahlreiche Bücher abnehmen, die Bäuerle Jubilaren wie auch Schülern schenken möchte. Mit einem Präsent bedankte sich Bäuerle dieser Tage bei Renate Baumann für ihr Engagement, verbunden mit der Hoffnung, dass sie sich auch weiterhin der Geschichte Bühlertals annehme. Darüber braucht er sich nicht zu sorgen. Das Geschichtsfieber hat die heimatverbundene Lehrerin längst gepackt. Ein ähnlichen Schmöker wird sie zwar sicher nicht gleich wieder in Angriff nehmen, aber ihre Leidenschaft bleibt es dennoch. Seit Jahren sammelt sie alte Karten, Bilder und vieles mehr ihrer Heimat. Und nach dem verfassen des Buches "habe ich noch viel mehr über mein Dorf gelernt".

Das Buch "Erinnerte Geschichte" ist bei den Bühler Buchhandlungen, in der Bühlertäler Tourist-Information sowie in der Sparkasse Bühlertal erhältlich.
 
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